Einige Zeit ist vergangen, nach Andrei Herasimchucks Offenen Brief an Adobe, Apple und Microsoft, dessen Ziel es war die Softwarehersteller in die Verantwortung zu nehmen, wenn es um den Punkt Schriftenvielfalt im Internet geht. Im Detail sollte Adobe, bzw. auch die Betriebssystemhersteller gefälligst dafür sorgen, dass es einen Satz von verlässlich vorinstallierten Schriften, sowohl auf Windows-, wie auch auf Macintosh-Rechnern gibt. Anno dazumal hat es Microsoft mit dem "Core Fonts for the Web"-Paket vorgemacht. Diese zum Teil schönen Schriften, die man ohne eine Lizenz zu erwerben benutzen darf sind speziell für den Monitor optimiert. Genauergesagt für Font-Smoothing. Es steckt also durchaus eine Menge Arbeit in den Schriften, eine Investition, die sich zwar nicht rechnet, aber dazu geführt hat, dass diese Schriften heute so gut wie auf jedem Rechner vorhanden sind und man sie in Folge dessen für Webseiten verwenden kann. Und nur diese. Das macht sie gerade für das Internet interessant… Aber nicht nur dafür. Immer verfügbare Schriften werden auch vom Laien für die Geschäftskorrespondenz verwendet. Dort machen, für den Monitor erstellte Schriften, aber nunmal eine weitaus schlechtere Figur. Es hat mich zwar gefreut, dass Herasimchucks Aufruf auch hierzulande zahlreich aufgegriffen wurde und man merkt, dass man sich frühzeitig um das Schriftbild des Internets der Zukunft Gedanken machen sollte. Einige Monate später gibt es nun eine Reaktion von John Warnock, der in einem Interview auf Herasimchucks Forderungen angesprochen wurde. Leider zeigt seine Aussage, dass er die Problematik nicht ganz verstanden hat - bzw. es zwar
für Adobe kein Problem sei Abhilfe zu schaffen… aber man solle doch bitte auf andere Lösungen seitens Browser oder Stylesheets warten
. Herasimchuck durchleuchtet Warnocks knappe Aussage ausführlich und betitelt seine Enttäuschung mit "Der unglückliche Tod der Helvetica". Anlässlich der nächsten, nunmehr siebten Version von OSX 10, der Version Leopard 10.5, auf die Jan Maas heute im Kongresssaal des Druckzentrums Salzburg das Grafiker-, Photographen- und Druckindustriepublikum neugierig machte, ein trauriges Signal. Bei Adobe verpasst man gerade die Chance etwas dringend Nötiges und Gutes zu tun. Während der neu entbrannte Browserkrieg zwischen Mozilla und Microsoft wenigstens ein weing Fortschritt für den Nutzer bringt, so scheinen mir bei den bevorstehenden Betriebssystem-Releases die Interessen der Kreativen auf der Strecke zu bleiben, solange man das Problem nicht bei den verantwortlichen Unternehmen verstanden wird. Vista wird irgendwann kommen und meines Wissens ist nach wie vor unklar unter welcher Lizenz die bereits verfügbaren Vista-Schriften (der überaus dreiste Frutiger Diebstahl "Segoe UI" zB., sowie die neuen für Cleartype optimierten Schriften) einmal stehen werden. Selbst wenn man als Anwender die Schriften über den ein oder anderen Umweg bekommt (zB. Office 2007 u. Beta, etc.), so würden im Endeffekt, doch nur lizenzfreie Versionen der Schriften den Weg öffnen in Macintosh oder Linux/Unix-Betriebssysteme. Nun ja, man wird allerlei fancy-Tools wie Aperture, Video-Telfonie iChat, und anderes bunte Trallala standardmäßig in OSX 10.5 finden… Ui, sogar RSS ;) kann der Safari anzeigen können :D (das Internet kennt man also auch bei Apple bereits - die Ausrede wird nicht gelten) Löblich auch dass das erwähnte Dass der Browser das, was er im Internet findet aber nach wie vor mit einem armen, unzeitgemäßen Satz aus Tahoma, Verdana, Times, Georgia und Arial anzeigt wird für mich aber ein fader Beigeschmack sein. Und gerade da wäre auch Apple in der Lage etwas zu tun. Hoffentlich begreifen die Software-Giganten ihre Möglichkeiten bald mal als Pflicht gegenüber dem Kunden und tun was für das Gemeinwohl. Das Auge des Betrachters. Naja, vielleicht muss man mehr erklären und mehr Druck machen. Mit Herasimchucks Worten: Some call that progress I guess. I call it a tragedy.