Structured Blogging trägt den falschen Namen…
… zumindest einen irreführenden. Die etwas freie, deutsche Übersetzung “strukturiertes Veröffentlichen von Inhalten” trifft es da schon eher. Viele machens, ein Großteil derer machens falsch (mich noch eingeschlossen): Inhalte strukturiert verfassen - sie aber dann unstrukturiert im World Wide Web zu veröffentlichen.
Aber von vorn: Dass sich das Wörtchen Blogger in den Projektnamen geschlichen hat, liegt vielmehr daran, dass sich die Blogosphäre in den vergangenen Jahren immer für innovative Entwicklungen begeistern ließ und nicht selten der eigentliche Antriebsmotor hinter Neuerungen war und ist. Webstandards, also die Einhaltung von W3C-Empfehlungen ist so ein Punkt der durch die Vielzahl moderner und frei erhältlicher Blogging-Plattformen vorangetrieben wird und für ein besseres Internet sorgt.
Vor Fehltritten wie beispielsweise dem von Google initiierten rel=”nofollow” zur Auszeichnung von Links, ist zwar auch die Blogosphäre nicht gefeit, aber falsche Ansätze (eigentlich Gedacht um Kommentare in Weblogs nicht zur Ranking-Optimierung zu mißbrauchen) setzen sich auf Dauer auch nicht durch, was an der Schnelligkeit (im Wandel) und dem rasanten Wachstum der Blogger-Gemeinde liegt (allein bei technorati.com sind zur Zeit mehr als 50 Millionen Weblogs erfasst, Tendenz steigend).
Dort wo semantisches Markup (also ein dem Sinn des Inhalts möglichst nahes Auszeichnen mit html-Elementen) aufhört, setzt nun Structured Blogging an. Die Kombination aus html-Markup und der zusätzlichen Erweiterung um, im Quelltext versteckte, XML-Informationen machen eine klarere Beschreibung des Inhalts möglich. Wer die W3C-Empfehlungen befolgt kann ziemlich exakt bestimmen welche Auszeichnung bestimmter Inhalt im Kontext haben muss. Die Kombination und Verschachtelung von Elementen und vor allem eine einfache Hinterfragung, um was es sich bei einem Inhalt handelt, machen den guten Ton und so ist html-Markup auch für Laien keine Zauberei.
Sehr interessante neue Möglichkeiten tun sich aber nun mit Structured Blogging auf, denn in vielen Fällen ist das Markup-Korsett unnötig eng. Nun Structured Blogging ändert nichts an diesem Korsett, macht es aber möglich den Inhalt einer Webseite zu spezifizieren. Damit bleibt der Kontext in dem jemand seine Inhalte schreibt erhalten. Sei es eine Filmvorstellung oder eine Buchkritik ein Software-Rezension oder ein Computerspiel, bisher mußten Suchmaschienen anhand der Verlinkung oder den vorkommenden Worten raten um was es sich denn handelt und ob eine Internetseite als Suchergebnis in Frage kommt.
Die meisten Webseiten haben thematische Schwerpunkte und somit auch wiederkehrende Datenstrukturen: beispielsweise der Verlag, der auf seiner Webseite regelmäßig Neuveröffentlichungen vorstellt, oder einen Ticket-Service der Veranstaltungen ankündigt oder der Event-Fotograf der Photos der Veranstaltungen oder von Künstlern zugänglich macht, oder eben Blogger, die sich ihren Interessen widmen oder ihr Tagebuch schreiben. Ihr semantisches Markup wird sich ähneln, mögen sie auch über noch so unterschiedliche Themen schreiben. Hier setzt Structured Blogging an, denn wiederkehrende Strukturen, ist das einzige was die genannten Beispiele teilen - und leider auch in allen Fällen mit herkömmlichem Markup verloren geht.
Dabei will das Open-Source Projekt Structured Blogging lediglich eine funktionierende technische Plattform bieten, die es ermöglichen soll, die Art der Information nicht durch das Veröffentlichen im Netz zu verlieren, sondern sie in Form von XML-Daten im Quelltext zu erhalten. Längst vorhandene und verbreitetete technische Möglichkeiten werden auf innovativem Weg genutzt. XML machts möglich. Was bei Feeds gang und gebe ist kann auch unkonventionell und trotzdem Standards-konform im Quelltext hinterlegt werden, wobei der Autor des Texts selbst bestimmt um was es sich denn da handelt. Es werden also von SB keine spezifischen Formate für Inhalte vorgeschrieben - Kategorisierungen, Bewertungen oder Reglementierungen gibt es von SB nicht.
Darüberhinaus lassen sich die Daten von externen Services oder Anwendungen nutzen - eine augenscheinlich normale Webseite weist nun Eigenschaften auf, wie sie Feeds besitzen, ohne dass es sich um einen Feed handelt: die Webseite wird zum Echtzeit-Informationslieferant - sofort und weltweit. So werden zB. zukünftige Suchmaschinen spezifischere Suchen ermöglichen, sei es nach Kochrezepten, Buchveröffentlichungen, etc. (Technorati unterstützt bereits seit längerem einige ausgewählte Microformats).
Structured Blogging Vortrag als Podcast
Wer bisher noch nichts von der jungen Structured Blogging-Technologie gehört hat, dem sei ein ausführlicher Vortrag in Form eines Podcasts ans Herz gelegt. Sehr aufschlussreiche Einblicke gewährt Raju Bitter, Programmierer und Betreiber/Initiator des deutschsprachigen Portals, zu zugrundeliegender Idee, Vorteilen Geschichte und Zukunft des Projekts. Auf den kompletten Podcast zum letzten Münchner Webmontag vom 17.7. verweist Martin Szugat in seinem Weblog und stellt die mp3 (ca. 105 MB) zum Download bereit. Ich stelle ich hier nochmal explizit den Vortrag von Raju Bitter zum Download: structured-blogging-vortrag-raju-bitter.mp3 (Dauer: 1h 17min - 13,2 MB).
Links zum Thema:
Structured Blogging - deutsche Projekteseite.
Microformats - die Lightweight-Variante (XML-freier Ansatz) bei dem über html-Klassen strukturier zugewiesen wird.
OutputThis.org - ein Beispiel wie man Microformats schon heute nutzen kann um Inhalte beispielsweise auf mehreren Seiten parallel zu veröffentlichen.
Tails Firefox-Plugin - ein weiteres Anwendungsbeispiel. Tails liest structured Blogging Daten aus Webseiten, sodaß man sie weiterverwenden kann.
Webmontag - Web-Nerds gehen zur Montagsdemo.
Fazit: Ein sehr spannendes, innovatives Projekt.
Auch als Erleichterung zum Veröffentlichen von Inhalten oder zum Anpassen eines Backends ist diese Technologie geeignet. Viele viele Möglichkeiten zeichnen sich ab - jeder der Informationen im Netz veröffentlicht sollte prüfen, ob seine Inhalte wiederkehrende Strukturen haben, denn dann kann er von Structured Blogging profitieren - nicht überall macht der Einsatz Sinn und einige Bereiche sind dafür klar prädestiniert. Einziger negativer Punkt ist in meinen Augen das Aufblähen des Dokuments, doch der entstehende Nutzen wird wohl der hauptsächliche Beweggrund sein strukturiert zu Veröffentlichen und macht diesen kleinen Nachteil wieder wett.
Schlagworte: Entwicklung, Medien, open source, Software, structured blogging, webmontag, xml