Der folgende Artikel ist etwas älter. Er liegt seit etwas mehr als einem dreiviertel Jahr als Entwurf herum. Und weil Artikel nicht wie Wein sind - sie reifen nicht ohne zutun ;) - ist das doch ein guter Zeitpunkt ihn mal flink überarbeitet zu veröffentlichen, nein? Mein Plädoyer gegen den ganz alltäglichen Suchfrust. Adressiert an die Entscheider in mittleren, kleinen oder noch kleineren Unternehmen.
Betrachtet man die Ergebnisse, die die Suchmaschine seiner Wahl für “Suchmaschinenoptimierung” oder “SEO” ausspucken bekommt man angesichts mehrerer Millionen Ergebnisse den Eindruck, dass sich eine riesige Branche dem Ziel verschrieben hat, die Webseiten ihrer Kunden auf die oberen Plätze der Search Engines zu hieven. Das ist auch so (und das ist auch gut so). Dass auf dem Gebiet viel professionelle Arbeit geleistet wird ist Tatsache - auch wenn regelmäßige Spammails eine andere Sprache sprechen. Schwarze Schafe gibt es überall. Nun können kleinere Internetagenturen oder Freelance-Webdesigner nur schwer das gesamte Spektrum modernen Webdesigns abdecken. Semantisches Markup, die Trennung von Inhalt und Gestaltung mittels Stilvorlagen (CSS) sind die Grundwerkzeuge die jeder Webdesigner beherrscht. Doch zu modernen Webseiten gehört weitaus mehr.
Je nach Möglichkeit sich zu spezialisieren, können aber auch andere Aspekte der Webseitenerstellung wie DOM-Scripting (Javascript Frameworks, AJAX, etc), insbesondere Programmierung oder die Arbeit mit oder die Einarbeitung in gar die Weiterentwicklung von Redaktionssystemen einen nicht unerheblichen Teil der Arbeit darstellen. Niemand kann Experte auf allen Gebieten sein - allein der Zeitaufwand sich in ein paar der Gebiete auf dem Laufenden zu halten ist immens und könnte den Eindruck vermitteln Webdesigner surfen nur… Während Grundkenntnisse über Suchmaschinenoptimierung bei jedem Webdesigner vorhanden sein sollten - schließlich überschneiden sich hier beide Themen: semantisches Markup mit (X)HTML hat einen großen Einfluß auf die Positionierung - hat der Griff zum Suchmaschinenexperten auf jeden Fall seine Berechtigung. Valid ist nicht Suchmaschinen-optimiert. Und Suchmaschinenoptimierung ohne an Markup, Inhalte oder Struktur Hand anzulegen funktioniert nicht. (Wird einem zu kostenpflichtigen Eintragungen in Linkfarmen, Verzeichnissen etc. geraten sollten die Alarmglocken läuten).
Die sogenannte “Search Engine Optimization” zielt auf ein möglichst gutes Ranking, also eine möglichst gute Platzierung einer bestehenden Webseite ab. Meist werden dazu mehrere definierte Begriffe oder Begriffskombinationen herangezogen anhand derer man die Verbesserung der Positionierung auch überprüfen kann. Hier gilt: zu erst ein intensives Brainstorming und Analyse der einzelnen Schlagworte und deren Umkämpfung in den Suchmaschinen ermitteln und nach Relevanz für die eigene Seite eingrenzen, sodaß man sich auf wenige Schlagworte und vielleicht Begriffskombinationen konzentriert. Viele gute Artikel gibt es zu dem Thema: weiterführenden Lesestoff verlinke ich am Ende dieses Artikels, denn mir geht es hier um ein paar grundsätzlichere Überlegungen und Aspekte, die sich durch Suchmaschinenoptimierung allein nicht verbessern lassen.
Wann kommt Suchmaschinenoptimierung in Frage?
Grundsätzlich immer wenn es sich um eine kommerzielle Seite für ein Unternehmen, also zB. ihre eigene Firma handelt - und das unabhängig davon ob Sie nun eine Webseite haben oder nicht. Was gleich zur nächsten Frage führt:
Braucht jedes Unternehmen eine Webseite?
Eine Webseite zu haben sollte für eine Firma obligatorisch sein. Kein anderes Medium ermöglicht es so kostengünstig und rund um die Uhr zu werben bzw. erreichbar zu sein. Den Punkt sollten auch all die, die eine Webseite in Auftrag geben, immer im Hinterkopf haben. Wirtschaftliches Denken, Kosten im Blick behalten mögen ein Drücken des Preises rechtfertigen. Trotzdem sollte man hinweise der Webseitenersteller beachten. Sturköpfe und Unverbesserliche (ohne eigene Webseite) können aber auch einfach darauf achten, dass ihr Unternehmen in regionalen Portalen und Branchenverzeichnissen korrekt gelistet ist. Und diese Portale gibt es in vielen Regionen, Gemeinden und Landkreisen. Auch überregionale Branchenverzeichnisse sind oft von Interesse. Das Problem: solche Portale sind eben leider nicht immer auf dem, für Sie und Ihr Unternehmen wichtigen, aktuellsten Stand. Oder ihr Unternehmen ist gar nicht erst gelistet. In diesen Fällen braucht es ihre Initiative und nicht unbedingt eine eigene Firmenwebseite (auch wenn es meiner Meinung nach keinen Grund gibt von einer eigenen Webseite abzusehen oder gar Gegenargumente). Und wenn ihnen dazu die Zeit fehlt braucht es sogar einen Suchmaschinenoptimierer, einen Spezialisten, der weiss was er tut.
Genau wie die Arbeit an einer eigenen Webseite nicht mit der Anmeldung bei der Suchmaschine beendet sein sollte. Webseiten sind keine Plakatwände. Inhalte müssen aktualisiert werden.
Ich möchte nicht, dass das als Argument gegen eine Firmenwebseite misverstanden wird - nochmal: es gibt keine günstigere und simplere Methode für einen Betrieb rund um die Uhr erreichbar zu sein als über das Internet! Eine eigene Webseite bietet zahlreiche Vorteile: sie entscheiden selbst wie sie ihr Unternehmen präsentieren, können auf Produktpalette und Neuheiten hinweisen, etc., etc.
Doch ob mit oder ohne eigener Webseite: die regionale oder überregionale (Web-)Infrastruktur bleibt - und sollte in jedem Fall berücksichtigt werden. Denn wenn es in Ihrer Region oder Ihrer Zielgruppe beliebte Portale gibt, die ihre potentiellen Kunden nutzen, dann sollte für sie und ihr Unternehmen ihr Auftauchen dort definitiv ein Punkt sein. Für einen Suchmaschinenoptimierer ist das selbstverständlich und sollte von niemandem dieser Zunft übersehen werden. Viele Webdesigner aber vergessen das recht gern. Man sollte sich also in jedem Fall mal auf die Internetsuche machen: nach dem eigenen Produkt, der Konkurrenz - in regionalen Seiten wie auch der Web-weiten Suche.
Wie leicht kommt man über eine Suchmaschine an folgende Informationen?
- Inhaber der Firma
- Telefonnummer
- E-Mail Kontaktmöglichkeit
- Anschrift und Öffnungszeiten
- Produktpalette
Negativbeispiele einer Fallstudie, die ich vor einigen Monaten für einen kleineren Handwerksbetrieb durchgeführt habe, legte bereits eine einfache Suche nach dem Firmennamen (und Kombinationen mit dem Ortsnamen) offen: geänderte Telefonnummern, zahllose veraltete (wegen 404-Fehlern nicht erreichbare) Seiten, unvollständige oder fehlende Kontaktdaten sind nur ein paar Punkte die das Szenario umschreiben. Zu allem Überfluss waren auch noch Monate nach der Geschäftsübernahme die Immobilienanzeige des Maklers unter den Ergebnissen. Eine wahre Odysse für jemanden, der vielleicht nur eben nach der Telefonnummer oder den Öffnungszeiten sucht. Schwer vorzustellen, dass jemand da so ausdauernd sucht, wie jemand der wie ich die regionalen Gegebenheiten untersuchte. Besonders ärgerlich, wenn die Fehler bei dritten, also Maklern, Regionalportalen, etc. liegen. Selbst wenn sie das Internet nicht zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil nutzen wollen oder können: Sorgen sie dafür dass solche, teilweise durchaus heiklen oder Geschäftsschädigenden Umstände beseitigt werden, indem sie sich die 20 Minuten Zeit nehmen und sich in den Suchenden hineinversetzen: Dabei geht es, wie das Beispiel zeigt, um ihre potentiellen Kunden die sie womöglich nicht finden können. Der Begriff Schadensbegrenzung ist leider oft der passendere.
Alternativen?
Je nach Branche kann es sinnvoller sein lieber auf Dienste bereits bestehender und etablierter Online-Portale zurückzugreifen. Da werden sie aber sicher selbst, besser als jeder Aussenstehende, die Arbeitsweisen in ihrer Branche kennen und mit Mitbewerben vergleichen können. Als Beispiel aus der Immobilienbranche sei www.immobilienscout24.de angeführt - eine Seite, die es in in die TOP 20 der meistbesuchten deutschen Internetseiten geschafft hat. (die zugrundeliegenden Zahlen von alexa.com mögen nicht die zuverlässigsten sein - es werden nur Benutzer der Alexa-Toolbar ausgewertet - geben aber einen ungefähren Anhaltspunkt). Also ein mögliches Besucherpotential das sie mit einer neuen Webseite kaum erzielen werden und um das sie nur schwer herum kommen. Ob es dazu als Ergänzung noch eine eigene Internetpräsenz benötigt bzw. die zu erwartende zusätzlichen Besucher den Aufwand rechtfertigen? Sicher nur in wenigen spezialisierten Fällen - oder wenn man diese Uniformität auf keinen Fall möchte…
Keine Webseite?
Wie sieht es im Falle eines Unternehmens aus, welches schlicht und einfach keine Webseite hat? Es mag sich sonderbar anhören von Suchmaschinenoptimierung zu sprechen wenn es keine Webseite gibt, doch unabhängig davon ob sie nun eine eigene Webseite haben oder nicht: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Egal wer dran Schuld ist, suche ich Informationen über Ihre Firma ist mir egal wer mir die Steine auf dem Weg zur Information in den Weg legt. Was am Ende bleibt ist eine negative Erfahrung in Assoziation mit Ihrem Firmennamen. Es gibt wohl nichts frustrierenderes für einen Informationshungrigen als eine 404-Fehlerseite.
Wenn sie noch zur Gruppe der Webseite-losen Firmen zählen sollten, haben sie trotzdem Möglichkeiten den Weg eines Suchenden zu Ihrer Firma angenehmer zu Gestalten. Und der muss nicht zwingend die eigene Webseite sein.
Dass Suchmaschinen, oder andere Webseiten auf nicht mehr existente Seiten verweisen kann mehrere Gründe haben: Seiten wurden kürzlich gelöscht, umbenannt, etc. In ihrem Fall also Ursachen, für die sie unter Umständen gar nichts können.
Gerade kleine bis Mittelständische Unternehmen geben sich einer Illusion hin, wenn sie denken aus einer Webseite schnell und hohe Umsätze generieren zu können. Webdesigner finden, Seite erstellen lassen und fertig. Werden die Erwartungen nicht erfüllt wird nach dem “Suchmaschinenoptimierer” gerufen. Dabei ist es gut möglich, dass es die eigenen Erwartungen und Vorstellungen sind, die überzogen sind. Gerade kleinere Unternehmen, die sich eine kontinuierliche und regelmäßige Aktualisierung ihrer Seiten und die Bereitstellung von 100-%igen Top-Inhalten, sei es nun aus Kosten- oder Zeit- oder anderen Gründen nicht leisten können, sollten sich dreimal überlegen weiteres Geld in Suchmaschinen-Marketing für ihre Seiten zu investieren.
Beobachten sie ihr eigenes Verhalten bei der Internetnutzung: die Suchmaschinenplatzierung ist sicherlich nicht der einzige Einflußfaktor auf die Frage welche Webseiten sie sich ansehen. Weitere sind zum Beispiel Empfehlungen von Freunden (per E-Mail, Mundpropaganda, etc.) oder auch Werbung in Printmedien. Besucher die durch gezielte Werbung auf eine Internetseite kommen sind gerade als potentielle Kunden wertvoller für ein Unternehmen.
Mein Fazit
Entscheider gerade in kleinen Unternehmen sollten das Thema Internet nicht ignorieren und sich einfach mal in die Haut eines potentiellen Kunden, eines Suchenden versetzen und herausfinden wie leicht oder schwer man es hat an generelle Informationen über das eigene Unternehmen kommt. Das sollte auch für nicht-webaffine Menschen zur Professionalität gehören. Egal ob das eigene Unternehmen eine Webseite hat oder noch nicht: Suchmaschienenoptimierung hilft Menschen sie zu finden.
Links:
- Die Marketing-Kategorie des Weblogs der René Rosewick Websystems bietet interessante Ressourcen wie Links zu Studien und Anleitungen.
- Suchmaschinenoptimierung bei Wikipedia erklärt
- Ein weiterer guter Ausgangspunkt, um sich Gedanken über die eigene Webseite zu machen (ob nun bevor man eine Erstellen läßt oder wenn es bereits eine gibt die Verbessert werden soll) kann auch das “Client Worksheet” der Internetagentur Clearleft von Andy Budd darstellen: prominent platziert auf deren Startseite.
Schlagworte: Code, Markup, pr+marketing, SEO, Suchmaschinenoptimierung
Interessante Herangehensweise und in der Tat es lässt sich auch SEO betreiben ohne eigene Website. Web 2.0 bietet etliche Möglichkieten sich auch so im Internet zu zeigen.
Der Beitrag ist mir einen SEOigg wert: http://www.seoigg.de/suchmaschinenoptimierung-ohne-website
Ow, vielen vielen Dank. Scheint ja direkt anzukommen… :) Hab jetzt selbst nochmal versucht meinen Artikel zu überfliegen, aber die eingebauten (unabsichtlich) Rechtschreibfehler sind ja grausig… werd mich mal ernsthaft nach jemandem umtun müssen der mir Artikel redigiert bevor ich publizier ;)
Ein wirklich sehr guter Artikel - insbesondere der Hinweis auf die Wirtschaftlichkeit der vorgenommenen Investitionen scheint mir angebracht. Gerade deshalb weil Wirtschaftlichkeit eben nicht möglichst geringe Anfangsinvestition sondern größtmöglicher Return on Investment bedeutet.
Interessant für Mittelständler ohne Internetseite bzw. deren Internetpräsenz auf Grund von “Sparmaßnahmen” dem Besucher nicht weiterhelfen, weil sie nicht sinnvoll strukturiert sind oder gar nicht erst gefunden werden. Oder auch interessant für diejenigen von denen Erstgenannte beraten werden.
Bin gerade über deinen Artikel gestolpert. In meinen Augen ein sehr interessanter Ansatz. Ist schon spät, morgen werde ich mich mal in Ruhe an die Lektüre begeben! :-)