Windows nun mit OS X Schrift-Rendering?
Safari ist nun seit einiger Zeit für Windows in einer öffentlichen Vorab-Beta-Version verfügbar. Diese kann man sich bei Apple auf dieser Seite herunterladen. Nach einem verpfuschten Start (mit Geisterwebseiteneffekt ohne Text - Probleme beim CSS-Rendering auf deutschen Windowsversionen war der Grund) mit diversen illustren Fehlern wird das ganze nun mehr und mehr zu einer brauchbaren Applikation. Schnell und halbwegs stabil.
Eine bemerkenswerte Neuerung kam damit eher im verborgenen auf Windows-Rechner: Schriften werden mit der OS X-eigenen Rendering Engine dargestellt. Das bedeutet dass erstmals das Schriftbild zwischen zwei Windows-Browsern variiert. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob Apple mit seiner Art der Schriftdarstellung ein besseres (technisches)Händchen als Microsoft mit seiner Cleartype-Technologie hat, trotzdem ist das schon ein erwähnenswertes Novum.
Die Vorgehensweise, die hier ein Japaner in seinem Weblog beschreibt, gibt Entwicklern das nötige Grundwissen zur Hand, die mehrere Megabyte große Bibliotheke, die mit Safari ausgeliefert wird, auch in anderen Anwendungen einzusetzen bzw. auszutesten.
Was ist daran spannend?
Der Nutzen ist sicher (auf den ersten Blick) zweifelhaft, denn in meinen Augen ist Cleartype den schwammigen, eher fett und klobig wirkenden Lettern des Safaris überlegen.
Trotzdem ist es sehr spannend zu sehen, wie der direkte Microsoft-Kontrahent hier mal eben eine Technologie integriert bzw. verfügbar macht, die in meinen Augen bisher tief mit OS X verwoben schien.
Ich bin neugierig ob das neuen Wind in die, oder aber zumindest ein wenig verstärkten Fokus auf die arg leidende Webtypographie bringen kann. Welche Auswirkungen könnte das bestenfalls oder schlimmstenfalls haben? Welche Schriften könnten möglicherweise über das finale Safari-Release ihren weg auf Windows-Rechner finden?
Ich sehe diese Neuerung außerdem auch als gutes Argument für Herasimchuks Schriftinitiative ist, denn auch wenn die von ihm relativ willkürlich zusammengestellte Schriftliste eben nicht aus Bildschirm- sondern Printschriften besteht - so macht Apple nun doch vor, dass die technischen Barrieren gering und das Ergebnis akzeptabel ist. Bisher ging ich davon aus, dass es tatsächlich eine aufwändige Überarbeitung der Schriften für die verschiedenen Rasterizer benötigte. Die Safari-Beta wiederlegt das, indem er einfach den eigenen Schriftrenderer mitbringt.
Und nun?
Gute Frage. (Hätte ich selbst draufkommen können). Wenn der Dialog zwischen Softwareherstellern und Webdevelopern im selben Tempo wie bisher von statten geht lautet die Devise wohl eher "Abwarten und sehn was auf uns zukommt".